Meiner Erfahrung nach bekommen Kunden erstmal ein mulmiges Gefühl, wenn theoretisch die Chance besteht, dass Apple deine App nicht in den AppStore lässt. Irgendwie verstehe ich diese Angst natürlich. Erst steckst du viel Arbeit und Geld in die Entwicklung und dann kann es sein, dass die App nie an den Kunden raus geht? Puh!

Daher dieser Artikel um dir die Angst zu nehmen. Hierfür ist das warum für den App Review der springende Punkt. Apple macht das nämlich nicht um dir Steine in den Weg zu legen. Zusätzlich gebe ich auch eine Übersicht auf was Apple denn so schaut. Für alle, die es genau wissen wollen werde ich auch am Ende vom Artikel das offizielle Dokument von Apple verlinken. Aber first things first.

Warum macht Apple das überhaupt?

Den Schlüssel zur Antwort findet man recht schnell in einer anderen Frage: Wofür ist Apple bekannt? Oder auch: was hebt Apple z.B. von Google ab.

Genau. Benutzerfreundlichkeit.

Jetzt wird es etwas schwierig. Einerseits: wie definiert man Benutzerfreundlichkeit? Und zweitens: wie stellt man Benutzerfreundlichkeit sicher, wenn man zwar die Plattform stellt (d.h. iPhone, iPad und AppStore), aber die Apps nicht selber entwickelt, sondern von einer breiten Masse an Anbietern entwickeln lässt?

Die Lösung: Man erstellt einen Katalog mit Anforderungen für die Entwickler und man führt eine Prüfung der Apps ein.

Es geht unter dem Strich also um Benutzerfreundlichkeit. Und das im weitesten Sinne, weil z.B. auch technische Details dazu führen können, dass Apps nicht gut funktionieren, dass Sicherheitslücken vorkommen die das gesamte Gerät lahmlegen können, oder dass Apps zum Beispiel nach einem iOS-Update nichtmehr richtig funktionieren könnten, weil man instabile Komponenten benutzt.

Es geht also nicht darum, dass dir Apple höchstpersönlich das Leben schwer machen will. Natürlich nicht! Sie sind doch mächtig froh, wenn jemand das Angebot im AppStore erhöht! Mehr Gründe für Endverbraucher auf ein iPhone umzusteigen oder um sich ein neues zu kaufen und nicht zu Android zu wechseln.

Apple ist interessiert an deiner App! Und gleichzeitig sind sie eben nicht bedürftig und abhängig von dir. Sie sitzen also am langen Hebel und wollen, dass nur Apps im AppStore landen bei denen sich Benutzer wohl und sicher fühlen können.

Wohl fühlen. Darum geht es. (Plus ein paar wirtschaftliche Interessen, dazu aber unten mehr.)

Eine Übersicht über Apples Kriterien

Also was sind denn so Sachen womit man dafür sorgen kann, dass sich Benutzer wohl fühlen? Oder auch: was sollte man vermeiden, weil sich dann Benutzer nicht wohl fühlen?

  • Verbreitung von Inhalten, die schlichtweg angreifend, diffamierend oder absichtlich ekelerregend sind. Oder auch (schlecht übersetzbar) „content that is exceptionally bad taste or just plain creepy“. Was auch immer das heißen mag. Apple meint zwar, dass es ihnen wichtig ist, dass alle möglichen Meinungen vertreten sein dürfen, solange sie sich an sinnvolle Regeln des Diskurses halten. Satire und professioneller Humor ist jedoch erlaubt. Wo genau da Apple die Grenze zieht weiß keiner so richtig. Das hängt wahrscheinlich auch wieder persönlich vom Reviewer ab. Apple gibt aber auch ein paar Beispiele. Genannt werden hier Darstellung von Folter, Tötungen oder Missbrauch, Pornografie und verantwortungslosem Gebrauch von Waffen und Religiös motiviere Hetze. D.h. auch, dass wenn du ein neues soziales Netz aufbauen willst, dann bist du dafür verantwortlich solche Inhalte zu entfernen.
  • Die App darf dem Benutzer keinen Schaden zufügen. Sowohl finanziell (also z.B. Scam bzw. Abzocke) als auch körperlich. Besonders werden medizinische Apps genannt. Medikamente dürfen z.B. nicht einfach so empfohlen/verordnet/dosiert werden. In solchen Fällen musst du Apple davon überzeugen können, dass du die Regulatoriken in deinem Land einhältst.
  • Die App darf dem Handy/Tablet keinen Schaden zufügen. D.h. sie darf keine Malware oder Viren enthalten.
  • Gibt es offensichtliche technische Probleme in deiner App? Ist sie extrem langsam? Hat Features, die noch nicht funktionieren? Stürzt sie ab? Dann wird deine App sicher abgelehnt. Das gilt auch für Beta-Versionen oder Demo-Apps. Hierfür gibt es andere Methoden um erste Versionen an Tester auszuliefern. Dazu werde ich in einem zukünftigen Artikel eingehen.
  • Hast du akkurate Beschreibungstexte im AppStore? Stimmen die Screenshots oder die Beschreibungstexte nicht mit der App überein, so wird deine App abgelehnt. Benutzer sollen wirklich das bekommen was ihnen auch vor dem Kauf der App versprochen wurde.
  • Eine App soll sich nicht so anfühlen wie ein Programm aus der Windows 95 Ära. Halte dich an Konventionen wie Apps unter iOS aufgebaut sind. Apps sollen sich eben anfühlen wie Apps. D.h. auch, dass eine App, die nichts anderes macht als eine Webseite/WebApp anzuzeigen, ebenso abgelehnt wird.
  • Kein unnötiger Stromverbrauch. (Das heißt auch: keine Cryptowährtungs-Miner im Hintergrund laufen lassen!)
  • Apps sollten nach einem iOS-Update noch funktionieren. Das bedeutet, dass der Entwickler nur bestimmte Schnittstellen benutzen darf, die von Apple als „öffentlich“ oder „public“ (d.h. stabil) deklariert sind. Dein Entwickler wird auf diesen Punkt achten.
  • Die App darf nur mit spezifischen Gründen aktiv im Hintergrund laufen. Dies gilt auch zum Schutz vor Malware, die im Hintergrund schaden anrichten könnte oder unnötigen Stromverbrauch zur Folge haben könnte. Erlaubte Hintergrundaktivitäten sind:
    • VoIP (Telefonie)
    • Audiowiedergabe
    • GPS-Ortung und Navigation
    • Fertigstellung von rechenintensiven Prozessen wie z.B. Video-Exporte, Fertigstellung von Downloads etc.
  • In-App-Käufe müssen über den Mechanismus von Apple gelöst sein. Benutzer kennen diesen Bildschirm und wissen, dass sie diesem ihre Zahlungsdaten anvertrauen können und dass diese nicht gestohlen werden.

Das sind die wichtigsten Punkte, die das Nutzererlebnis betreffen. Zusätzlich gibt es eben noch ein paar Sachen womit Apple entweder Sicherheit (im technischen Sinne) gewährleisten will, oder ihre Stellung und Provisionen verteidigen will. Zum Beispiel verbietet Apple andere AppStores auf iOS. Und als letzten Punkt will ich noch Legalitäten ansprechen. Findet Apple heraus, dass die App gegen Gesetze verstößt (wie z.B. Copyright), dann kann das ebenso folgen für dich haben.

Aber was, wenn die App doch abgelehnt wird?

Auch in diesem Fall kann ich dich beruhigen. Es kann durchaus mal passieren, dass ein Reviewer strenger ist als ein anderer. Auch kann es mal passieren, dass eine App durchgewunken wird und beim Review einer neueren Version der App eine alte und nicht angerührte Stelle der App bemängelt wird. Apple gibt bei jeder Ablehnung den Grund an und bittet dich darum diese Sache zu nachzubessern und es erneut zu probieren. Es ist also nicht so, dass Apple dich im Regen stehen lässt.

Wenn du jedoch offensichtlich bewusst und extrem fahrlässig gegen Apples Regeln verstößt oder probierst sie auszutricksen oder zu hintergehen, dann kann es durchaus passieren, dass dich Apple komplett vom AppStore ausschließt und deinen Account permanent sperrt.

Ja und Google? Was ist mit Android Apps und dem PlayStore?

Seit einiger Zeit hat auch Google einen Review für Apps, der jedoch deutlich schlanker ist als der von Apple. Googles Fokus liegt hier mehr auf das Aufspüren von Malware, Viren oder Copyright-Verletzungen. Android ist sehr viel offener entworfen und selbst wenn Google eine App nicht auf den PlayStore lässt, dann ist die App trotzdem möglicherweise über andere Stores verfügbar. Im Gegensatz zu Apple lässt Google ja auch Stores anderer Anbieter, wie z.B. den Amazon Appstore zu.

Details

Wenn du dich für die genauen Definitionen und alle weiteren Punkte interessierst, dann empfehle ich dir das offizielle Dokument von Apple: AppStore Review Guidelines

Artikel zum Anhören

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